Dienstag, 9. August 2016

Großmutters Essen

Meine Großmutter, 1908 geboren, ist schon früh "in Stellung gegangen". Sie war Kindermädchen bei Barons, reiste einmal im Jahr mit der Arbeitgeberfamilie und dem Hausstand ins pommersche Sommerhaus und ging der Köchin zur Hand.

Die wahrscheinlich dachte, sie müsse meine Großmutter päppeln.
Anna Hufnagel war das jüngste von 7 Kindern eines nürnberger Schneiders, den es nach Worms verschlug. Sie hatte als Kind offene Tuberkulose am Hals, war lange im Krankenhaus, blieb klein und mickerig (und Linkshänderin).

Sie hat in ihrer Zeit als Kinderfrau "Tante Anna" gut kochen gelernt. 
Reformkost hieß das in den zwanziger dreißigern, Bircher Müsli, gedämpftes Gemüse. Nix Schweinshaxe, Einbrennen, fette Soßen. 
Und sie hat mich bekocht, ein paar Jahre lang. 
Von ihr kenne und liebe ich Gemüsesalate, die meine Mutter immer etwas belustigt "Gemüsekaltschale" nannte. Ein Rest gegarter Blumenkohl vom Vortag, die angedopsten Tomaten, ein Händchen voll Wachsbohnen, grüne Erbsen, was sich grad bot. Pfeffer und Salz, frische Zwiebeln und Knoblauch, Essig und Öl. Frische Kräuter. Der große Garten gab immer genug her.

Einmal die Woche gab es süßes Mittagessen. Kartoffelpfannkuchen mit Apfelmus - das kann ich heute noch essen bis Bauchweh. Apfelküchlein. Dampfnudeln mit Vanillesoße (von Weinsoße wurde und wird mir schlecht), Kirschauflauf.
Ungeschlagen und heiß geliebt: Grießklöße mit Kompott. 

So sitze ich heute auf dem Balkon, mit einem Teller Aprikosenkompott, noch lauwarm, und kleinen süßen Grießklößen. Hallo-Oma-Gedächtnisessen.
Nur die in geschäumter Butter gerösteten Semmelbrösel fehlen bei mir. 
Da war ich grad eben zu faul zu.

Kommentare:

  1. Ich seh' die Großmutter lächelnd auf einer Wolke sitzen,
    würde mich freuen, wenn später auch jemand über mich schreibt.
    Liebe Grüße
    Edith

    AntwortenLöschen