Donnerstag, 11. August 2016

Wohin?

Wohin sollen wir uns wenden, Schwestern, sagt es uns.
Wohin sollen wir uns wenden?

Hinter uns die Heimat
nur Schreie, Blut und Asche
Bomben, Dürre und der Hunger
immer dieser Hunger.

Sagt mir, Schwestern,
womit stille ich mein Kind?
Meine Brüste sind versiegt
vor Schrecken und vor Durst.
Womit kleide ich mein Kind und wärme es,
wie schützen die zerschundenen Leiber?
Sagt es mir, Schwestern!

An meinem Saum klebt Blut,
gerinnt an meinen Beinen -
die Waffe der Soldaten: Ihre Männlichkeit.

Wohin sollen wir uns wenden, Schwestern,
sagt es uns!

Vor uns das Meer, das wilde grüne graue Meer,
das schon so viele von uns in den Tod gewiegt
und viele folgen noch.
Die Krebse essen unsre toten Augen
und die Fische werden satt an unseren Toten.

Ich habe Angst, meine Schwester, halte mich!
Vor uns das Meer und auch dahinter wieder
Zäune, Mauern, Knüppel und Geschrei. Und Hunger.

Sag mir, Schwester, wohin soll ich gehn?

Die Kinder auf dem Arm
an die blutigen staubigen Zipfel meiner Röcke gekrallt
gehen sie mit mir,
hungrig und so müde, so müde, ach,
und ihre Kinderaugen
schwarz, leer und bodenlos wie unsre Zukunft.

Kommentare:

  1. Dass du so ausdrücken kannst, was auch mich so beschäftigt. Sei herzlich gegrüßt Ghislana

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  2. Deine Zeilen machen still und schreiend zugleich - man kann sie kaum ertragen und dennoch müssen wir uns damit endlich auseinander setzen!
    Gute neue Woche,
    Luis

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  3. Ich lese es und muss unwillkürlich an die "Troerinnen" denken, der Horror des Krieges ist Zeitlos; gestern Troja, heute Aleppo und morgen?

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    1. Zwischendrin war ein Krieg in Serbien, in dem "Vergewaltigung als Mittel der Kriegsführung" es erstmals (glaube ich) schaffte, auf die Tielblätter zu kommen. Der Genozid in Ruanda fand statt, ohne dass die Staatengemeinschaft einschritt und jetzt tun sich Staaten zusammen, Flüchtlingen hinter den Ufern des Mittelmeeres die Weiterreise zu verunmöglichen. Was wollen wir denn?! Dass sie bleiben, wo die Dürre wächst, wo Terror herrscht und Bomben fallen, Zeltstädte entstehen, in denen nur das Recht des Stärkeren zählt? Was wollen wir? Nicht aus unsrer Komfortzone raus? Sollen sich doch Türkei, Griechenland, Libanon, Mazedonien und Italien damit rumschlagen.
      Verdammt, ja es ist sauschwer, Leute zu integrieren, die aus völlig andren Kulturkreisen herkommen, die tlw. null Ausbildung haben, da muss man Geld in die Hand nehmen, LehrerInnen einstellen, Traumatherapeuten einspannen, und und und. UND nicht die im eignen Land vergessen, denen es auch und aus andern Grümden dreckig geht, denn Fakt ist, wir HABEN Kinderarmut, Altersarmut, Leute, die von Tafel und Leergut sammeln leben. Auch die Polizei braucht mehr Leute, Leute die aus Zweisprachigkeit kommen, aus bikulturellem Umfeld, die VERSTEHEN. Und man muss sie bezahlen wollen. Und wer da schreit, mit welchem Geld (des Steuerzahlers?!) dem muss entgegnet werden, die Politik tut seit Jahren nichts gegen die bekannten Steuerflüchtigen, die in sehr großem Stil Steuern nicht zahlen. Wenn wir das Geld hätten, dann..... So. Ende des Wortes zum Montag. Ischreschmischuff.

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  4. Jetzt beim Lesen frage ich mich, warum ich diesen Text nicht geschrieben habe.
    Ich fühle genau wie Du, war selber mal Flüchtling als Deutsche in Deutschland
    und weiß, was das bedeutet. Wir sehen hier nur alleinstehende junge Männer. Es
    wurde Zeit, dass Du Dich der Frauen angenommen hast, die mit ihren Kindern an
    der Hand die größte Last zu tragen haben, ja, und die 'Waffe der Soldaten' über
    sich ergehen lassen müssen. Danke.
    Liebe Grüße
    Edith

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